Schüler- und Schülerinnenkunst im Stadtraum: Hoffnungsvoll gestartet, schnell zerstört

Ein mit viel Engagement und Kreativität gestaltetes Kunstprojekt von Schülerinnen und Schülern der Elbschule, Bildungszentrum Hören und Kommunikation, im Stadtteil Altona ist nur wenige Tage nach seiner feierlichen Eröffnung Ziel von Vandalismus geworden. In der Nacht vom 4. auf den 5. Mai wurden zwei von insgesamt sechs kunstvoll inszenierten Stromkästen im Stadtteil beschädigt, einer davon so stark, dass das Kunstwerk jetzt vollständig unkenntlich ist.

Das Projekt war im Rahmen eines inklusiven Kunstvorhabens entstanden, an dem lautsprach- und gebärdensprachorientierte Jugendliche beteiligt waren. Mit großem Aufwand hatten die Schülerinnen und Schüler die Stromkästen zunächst vermessen, nachgebaut und anschließend deren „Innenleben“ kreativ gestaltet. Ziel war es, Geschichten sichtbar zu machen und diese für die Öffentlichkeit zugänglich zu präsentieren.

Die fertigen Szenen wurden fotografiert, auf großformatige Folien gedruckt und professionell auf die echten Stromkästen im Stadtteil übertragen. Ergänzt wurden die Installationen durch QR-Codes, über die Passantinnen und Passanten die jeweiligen Geschichten sowohl in Deutscher Gebärdensprache als auch in Textform abrufen können – ein bewusst inklusiver Ansatz, der unterschiedliche Zugänge ermöglicht.

Erst am 30. April waren die gestalteten Stromkästen feierlich präsentiert worden. Umso größer ist nun die Enttäuschung bei allen Beteiligten. Besonders betroffen ist das Werk „Bauarbeiter Hans“, das eine fantasievolle Szene zeigt, in der die Figur Hans eine Wolke im Inneren eines Stromkastens repariert. Dieses Kunstwerk wurde durch Graffiti vollständig überdeckt. Die unbekannten Täter hinterließen dabei den Schriftzug „ultra antifa“.

„Wir sind sehr bestürzt, dass unsere Kunstwerke nicht einmal eine Woche im Stadtraum zu sehen waren“, erklären die beteiligte Künstlerin Kristine Thiemann, das Kollegium sowie die Schülerinnen und Schüler der Klassen 7 und 7/8. „In jedem einzelnen Kasten steckt so viel Arbeit, Kreativität und Herzblut. Umso mehr hoffen wir, dass die verbliebenen inszenierten Stromkästen verschont bleiben und weiterhin von den Menschen entdeckt werden können.“

Nach dem Vorfall wurde Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Die Polizei ermittelt wegen Sachbeschädigung.

Das Projekt wurde vom „Projektfonds Kultur und Schule“ gefördert und galt als Beispiel dafür, wie Kunst, Inklusion und Stadtraum miteinander verbunden werden können. Umso schwerer wiegt nun der Schaden – nicht nur materiell, sondern auch ideell.

Text: Christin Hubert

Fotos: Kristine Thiemann, Meike Vaupel