Berufsorientierung – 5. Expertentag in der Elbschule

Einer der vielen Bestandteile der Berufsorientierung in der Elbschule ist der Expertentag, zu dem – zum Teil ehemalige – Schwerhörige und T*taube eingeladen werden, um von ihrer Ausbildung und ihren Erfahrungen zu berichten. Dieser Tag wurde von den Lehrkräften Antonia Mutke und Thomas Nedden bestens vorbereitet und moderiert. Die Vorträge, welche parallel in drei Unterrichtsblöcken am 18.Februar stattfanden, wurden in DGS und Lautsprache angeboten oder gedolmetscht, sodass alle teilhaben konnten. Auch in diesem Jahr gab es spannenden Angebote:

Olha Pitsyk berichtete von ihrer Ausbildung als Zahnmedizinische Fachangestellte und Archileas Oriakles von seinem Beruf als Mechatroniker im Bereich Klima-Kältetechnik. Ksenia Gubareva, Alexandra X und Simone Schulz gebärdeten über den Ausbildungsgang sozialpädagogische Assistent:in und Erzieher:in an der IBAF-Gehörlosenfachschule in Rendsburg, Anna Kroll erzählte von ihren Erfahrungen als Pflegefachkraft mit anschließendem Medizinstudium und Stefan Lenck stellte das Berufsbild des Industrieelektrikers dar.

Olha Pitsyk begann ihren Vortrag mit Tipps, wie man den ESA gut schaffen kann und ermunterte die Schülerschaft, schon in der Schule regelmäßig zu lernen. Auch die Ausbildung zur ZFA erfordere viel Fleiß, da man neben den fachlichen und praktischen Inhalten auch gleichzeitig noch Latein lerne, für viele Auszubildende eine weitere neue Sprache. Olha machte den Schülerinnen und Schülern beeindruckend Mut, nicht aufzugeben: „Gerade als T*taube Person hilft es nicht, wenn du leise bleibst! Du musst selbstbewusst auftreten!“

Archileas Oriakles sprach auch über die Herausforderungen, die seine Hörschädigung mit sich bringt: In der Berufsschule profitierte auch er vom Nachteilsausgleich (z.B. mehr Zeit bei Klausuren) und verwendete eine FM-Anlage in Verbindung mit seinen CIs. Die habe ihm sehr geholfen, weil die Klassen dort groß sind. Im Arbeitsalltag sei es manchmal schwer, die Kunden und Kundinnen zu verstehen, aber dann frage er nach.

Ksenia Gubareva, Alexandra X (Erzieherin-Auszubildende) und Simone Schulz (Schulleiterin) stellten zunächst ausführlich die IBAF-Gehörlosefachschule in Rendsburg mit den beiden Ausbildungsgängen SPA (zwei Jahre) und der daran anschließenden Erzieher:inausbildung (drei  Jahre) vor. Anschließend gebärdeten sie über das Internatsleben und zeigten ein paar Eindrücke von schönen gemeinsamen Aktivitäten und Ausflügen, zum Beispiel auf die Insel Sylt. Die Ausbildung soll zukünftig die Möglichkeit einer zertifizierten Qualifizierung in Deutscher Gebärdensprache (DGS) beinhalten. Die beiden Auszubildenen berichteten, dass die Zeit so schnell verginge und Simone Schulz ergänzte, dass sie es immer wieder beeindruckend finde, wie sich die Jugendlichen in den fünf Jahren entwickeln und über sich hinauswachsen. Bei Interesse an der Ausbildung an der IBAF-Gehörlosefachschule verwiesen sich auch auf den neuen Instagramkanal.

Anna Kroll erzählte, wie herausfordernd ihre Ausbildungszeit in der Coronazeit war, weil im Krankenhaus eine Maskenpflicht galt. Sie informierte ihre Mitarbeiter:innen über ihre Hörschädigung und fand hilfreiche Wege, damit sie besser verstehen konnte. Für das Studium hat sie -wie auch in der Berufsschule – einen Nachteilsausgleich und erhält die Skripte der Dozenten immer vorher, sodass sie sich vorbereiten und während der Vorlesung mitlesen kann.

In einem weiteren Vortrag stellte sich die Produktionsschule vor. Das Angebot der Produktionsschule ist ähnlich dem in der Ausbildungsvorbereitung (AV), nur dass man sich hier in eigenen Werkstätten ausprobieren kann, bevor man in ein Praktikum wechselt. Wie in der AV kann man auch hier seinen ESA machen. Für Schüler:innen mit Hörschädigung sind die Arbeitsbedingungen aufgrund kleiner Arbeitsgruppen in den Werkstätten gut, da sie zusätzlich die Unterstützung von einer Assistenz erhalten. Viele der Schüler:innen waren sehr interessiert und wollen die Produktionsschule auf dem Tag der offenen Tür im April gerne kennenlernen.

Parallel zum Vortrag der Produktionsschule stellte Stefan Lenck seinen spannenden beruflichen Lebensweg vor. Nach seiner Ausbildung zum Industrieelektroniker in Husum arbeitete er im Windanlagenbau Nordex in Rostock und berichtete aus dieser Zeit von den Herausforderungen in der Kommunikation mit Hörenden, zum Beispiel bei der wöchentlichen Teamsitzung, die aufgrund von Dolmetschermangel nur in Lautsprache stattfinden konnten. Mittlerweile zog es ihn nach Hamburg und er arbeitet an der Helmut-Schmidt-Universität in der Leiterplattenproduktion. Dort führt er zudem das Amt des ersten Stellvertreters für Schwerbehinderte Menschen aus. In den letzten drei Jahren besuchte er berufsbegleitend 4 Tage die Woche die technische Abendschule und hat sich somit zum staatlich geprüften Techniker mit Ausbildereignung weitergebildet. Ebenfalls ein beeindruckender Berufsweg, der den Schülerinnen und Schülern zeigt, dass man sich als T*taube Person für seine Interessen stark machen und seine Ziele fest im Blick behalten sollte.

Antonia Mutke und Katharina von Puttkamer